Kurzzusammenfassung für Eilige: Die da unten groß geschriebenen Einwände funktionieren alle nicht, sondern erreichen maximal einen Patt und eine Verschiebung des Diskussionsthemas.
Lange Fassung:
Es gibt ein paar Begriffe, die fallen zu lassen ein todsicherer Weg ist, eine Gruppe Piraten in Aufregung zu versetzen. “Frauenquote” gehört dazu. Dabei gilt in Anlehnung an Godwins Gesetz: Mit zunehmender Länge einer Diskussion unter Piraten über die Frauenquote nähert sich die Wahrscheinlichkeit für einen den folgenden Sätze dem Wert Eins an. Leider halte ich keinen dieser Sätze für richtig – und möchte in diesem Blogbeitrag erklären, warum.
Dabei möchte ich mich hier nicht generell für eine Quote aussprechen, sondern nur darauf hinweisen, dass die folgenden drei unter Piraten oft genannten Einwände nicht stichhaltig sind – andere könnten dies durchaus sein. Statt „Frauenquote“ könnte ich außerdem auch über „Quoten für Angehörige der im relevanten Kontext hinreichend marginalisierten Gruppen“ sprechen – das könnten in anderen Kontexten z.B. Menschen mit Migrationshintergrund, PoC oder auch Männer sein.
1 „Die Frauenquote ist abzulehnen, weil Jobs, Posten und Ämter nach Qualifikation und nicht nach Geschlecht vergeben werden sollten.“
Um den Fehler hier klarer zu sehen, lohnt es sich, das Argument aufzuschreiben, das 1 zugrundeliegt:
Prämisse 1: Jobs, Posten und Ämter sollten nach Qualifikation vergeben werden.
Prämisse 2: Was der Vergabe nach Qualifikation entgegenwirkt, ist (pro tanto) abzulehnen.
Prämisse 3: Eine Frauenquote wirkt der Vergabe nach Qualifikation entgegen.
Konklusion: Eine Frauenquote ist (pro tanto) abzulehnen.
Dem Urteil liegt meist die Vorstellung zugrunde, dass in einer quotenfreien Gesellschaft die qualifizierteste Person eingestellt würde, während – so Prämisse 3 – nach der Einführung einer Frauenquote weniger qualifizierte Frauen gegenüber qualifizierteren Männern bevorzugt würden. Wer so urteilt, beweist leider sowohl Unkenntnis der sozialen Wirklichkeit als auch des zur Debatte stehenden Quotenkonzeptes – eher unangenehm für Mitglieder einer Partei, die behauptet, nur über Themen zu sprechen, von denen sie auch wirklich etwas versteht.
Erstens: Die sogenannte „absolute Quote“, bei der auch weniger qualifizierte Frauen eingestellt werden müssten, steht politisch derzeit nicht zur Debatte. Stattdessen wird über die „relative Quote“ diskutiert. Bei dieser werden Frauen bei gleicher Qualifikation so lange bevorzugt eingestellt, bis die Quote (z.B. 30%) erfüllt ist. Ist die Bewerberin weniger qualifiziert als der Bewerber, kommt die Quotenregel also ohnehin nicht zur Anwendung.
Irgendeinen Bias hat jeder von uns – man muss sich dessen nicht bewusst sein.Zweitens: Geschlecht wird nicht erst mit Quote zum Einstellungskriterium: Es ist bereits ein solches. Die Existenz eines „Gender Bias“ ist eine in zahlreichen Studien wohlbestätigte Erkenntnis der Psychologie. „Weiße“ Männer mittleren Alters aus Akademikerhaushalten stellen bevorzugt Menschen ein, die demnächst sein werden wie sie – also etwas jüngere „weiße“ Männer aus Akademikerhaushalten. Da in Führungspositionen derzeit überwiegend Männer sitzen, wirkt der Bias zugunsten sich bewerbender Männer.
Frauenquoten wirken wie ein Gegengewicht zum Bias. Eine Untersuchung in Norwegen, das Anfang 2008 eine Frauenquote für Aufsichtsräte von großzügigen 40 Prozent (in Deutschland werden meist 30 Prozent für Vorstände vorgeschlagen) einführte, zeigte, dass die erst durch die Quote (!) zwangsweise (!) aufgenommenen Frauen durchschnittlich höhere (!) Qualifikationen besaßen als ihre männlichen Kollegen (die Qualifikation wurde anhand der Bildung gemessen). Der m.W. einzigen empirischen Studie zum Thema zufolge ist Prämisse 3 also nicht nur falsch – womit das gesamte Argument fällt –, es ist sogar das Gegenteil der Fall: Jedenfalls ist in diesem Kontext hat die Frauenquote die Einstellung nach Qualifikation unterstützt. Ihretwegen wurden die qualifizierten Frauen, die trotz ihrer Qualifikation wegen ihres Geschlechts nicht eingestellt wurden, endlich eingestellt. Wirkt paradox? Willkommen in einer paradoxen Gesellschaft!
Fazit: Im derzeitigen Kontext und angesichts der derzeitigen empirischen Lage trägt der Verweis auf das postulierte Primat der Qualifikation in der Debatte um die Frauenquote entweder nichts aus oder spricht sogar für die Quote.
2 „Gegen die Frauenquote zu sein, entspricht dem geschlechter- und familienpolitischen Programm der Piratenpartei“
Als eine der Autor_innen der geschlechter- und familienpolitischen Programmkapitel sowohl der Piratenpartei Deutschland als auch der Piratenpartei Berlin würde ich sagen: Eine Ablehnung der Quote folgt m.E. auf keinen Fall notwendig, ist aber je nach Auslegung kompatibel – allerdings ist es ebenso kompatibel, für die Quote zu sein.
Unser Programm hat dekonstruktivistische Grundzüge. Wir lehnen die Erfassung des Merkmals „Geschlecht“ durch staatliche Behörden ab, ebenso den Zwang zum geschlechtseindeutigen Vornamen und geschlechtszuordnende Operationen, wenn sie die Selbstbestimmung der betroffenen Kinder verletzen. Wir möchten die Menschen in ihrer Selbstpositionierung respektieren. Damit wollen wir es Menschen ermöglichen, sich determinierenden binären Einordnungsmechanismen auch zu entziehen.
Nun tragen Frauenquoten – dank ihres Resultats, mehr Frauen in Führungspositionen – zu einer Erweiterung dessen bei, was in einer Gesellschaft als Facette weiblichen sozialen Geschlechts (female gender) akzeptiert und/oder erwartet wird. Damit erweitern sich Handlungsspielräume, was positiv zu werten ist. Allerdings handelt es sich dabei nur um eine Erweiterung der „zulässigen Spielzüge“ von doing female gender, nicht um eine Dekonstruktion. Im Gegenteil wirkt die Frauenquote, ebenso wie die derzeitige Diskussion um sie, stark rekonstruierend. Die Diskussion wie die Umsetzung einer Quote erfordern die Kategorisierung von Menschen in binäre Geschlechterschubladen und stärken damit Geschlecht als Einordnungsmechanismus. Wer mit Alltagsvokabular über die Frauenquote diskutiert (wie ich es hier tue, shame on me) oder an der Umsetzung einer Quote beteiligt ist, übt die Einordnung von Menschen aktiv ein und betrachtet sie wesentlich als Repräsentant_innen ihres vorgeblichen Geschlechts. Eine Frauenquote beseitigt also keine Schubladen, sondern stärkt sie eher – allerdings werden die Schubladen mit ihr bunter und größer und damit weniger unangenehm für diejenigen, die hineingesteckt werden.
Wichtig ist auch folgender Satz unseres Parteiprogramms: „Gesellschaftsstrukturen, die sich aus Geschlechterrollenbildern ergeben, werden dem Individuum nicht gerecht und müssen überwunden werden.“ Als politische Partei haben wir uns damit einen konkreten Handlungsauftrag gegeben. So lange Geschlechterrollenbilder derart wirkmächtig sind, ist es nicht damit getan, sie schlicht zu ignorieren. Und wenn die Frauenquote überhaupt irgendetwas ist, so ist sie definitiv ein Instrument, um genau das zu tun: Gesellschaftsstrukturen zu überwinden, die sich aus Geschlechterrollenbildern ergeben. Auch auf unsere Forderungen im Kapitel „Freie Selbstbestimmung und Familienförderung“ lassen sich m.E. Argumente pro Quote aufbauen.
Fazit: Im Parteiprogramm finden sich sowohl Stellen, mit denen für eine Frauenquote gestritten werden kann, als auch Stellen, mit denen gegen sie gestritten werden kann.
3 „Die Frauenquote diskriminiert Männer“
Satz drei ist gewöhnlich entweder als moralischer Vorwurf gemeint (Diskriminierung aufgrund des Geschlechts ist moralisch falsch) oder als juristischer (selbige ist durch die Verfassung, Art. 3(3) GG, verboten).
Das moralische und das verfassungsrechtliche Argument müssen getrennt betrachtet werden. Ich beginne mit letzterem. In einer prägnanten juristischen Stellungnahme heißt es: „Eine gesetzliche Frauenquote (…) ist verfassungsrechtlich zulässig, wenn sie vorsieht, dass weibliche Bewerber bei gleicher Qualifikation gegenüber männlichen Bewerbern so lange Vorrang genießen, bis das verfassungsrechtliche (Art. 3 Abs. 2 Satz 1 und 2 GG) und unionsrechtliche (Art. 23 Abs. 1 Charta der Grundrechte der Europäischen Union – GRC) Ziel der Gleichberechtigung von Männern und Frauen errreicht ist (relative Frauenquote).“ Prof. Brosius-Gersdorf sieht über die Konformität hinaus sogar eine verfassungsrechtliche Verpflichtung zur Quote: „Die Bundesrepublik Deutschland ist verfassungsrechtlich und unionsrechtlich aber nicht nur berechtigt, sondern auch verpflichtet, die bestehenden Nachteile fur Frauen (…) zu beseitigen und auf diese Weise die tatsächliche Gleichberechtigung der Geschlechter in der Wirtschaft durchzusetzen. Sowohl Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG als auch Art. 23 Abs. 1 GRC enthalten nicht nur einen unverbindlichen politischen Programmsatz, sondern eine verbindliche Pflichtaufgabe für den Staat, die Gleichheit von Männern und Frauen in sämtlichen Bereichen des Staates und der Gesellschaft, einschließlich der Bereiche Arbeit und Beschäftigung, sicherzustellen.” Meine Argumentation zu unserer aus unserem Programm ableitbaren Aufgabe in 2 ist hierzu analog.
Nun müssen Paragraphen auch ausgelegt werden und es ist nicht ausgeschlossen, dass es juristische Gegenmeinungen gibt. Ich habe selbst keine fundierten finden können, so dass die Beweislast erst einmal bei denen liegt, die eine problematische Diskriminierung sehen.
Zwischenfazit: Verfassungsrechtlich scheint mit einer Frauenquote, wie sie derzeit diskutiert wird, alles in Ordnung.
Komplizierter ist das moralische Argument. Hier hängt viel vom zugrundegelegten Diskriminierungsbegriff und der jeweiligen Wirklichkeit am Arbeitsmarkt ab. Eine gründliche Diskussion erfordert also normative und empirische Vorarbeit, die diesen Blogbeitrag hoffnungslos sprengen würde. Trotzdem lässt sich bereits mit einem vagen Vorverständnis folgendes festhalten:
Nichtdiskriminierung gilt in 3 als moralischer Wert. Ist ein moralischer Wert erkannt, ist allerdings keinesfalls unstrittig, wie weiter zu verfahren ist, denn mit den Dingen, die moralischen Werten besitzen, können wir auf vielerlei Weise umgehen. So können wir den Wert beispielsweise respektieren, indem wir sie nicht verletzen, oder den Wert – der Intuition folgend, dass man von guten Dingen möglichst so viel wie möglich haben sollte – maximieren. Als moralischer Wert kann Nichtdiskriminierung daher sowohl Pro als auch Contra Frauenquote mit hoher Plausibilität ins Feld geführt werden. Gleiches gilt für Chancengleichheit, für die die folgende Argumentation analog funktioniert.
Das Contra-Argument lautet wie folgt: Die Frauenquote stelle Nichtdiskriminierung zwar möglicherweise langfristig her. Dies erreiche sie aber nur, indem sie kurz- bis mittelfristig Männer diskriminiere. Ob dem so ist, kann plausibel bestritten werden – dem liegt ein Diskriminierungsbegriff mit strittigen Voraussetzungen zugrunde – ich nehme es an dieser Stelle aber einfach einmal an.
Das Contra-Argument zielt darauf ab, das eingesetzte Mittel zu problematisieren: Menschen haben ihm zufolge ein Recht, nicht wegen ihres Geschlechts diskriminiert zu werden. Ein Gesetz, das dies sogar vorschreibt, wäre demnach ein schlechtes Gesetz.
Pro-Argumentierende könnten hingegen einwenden, dass es ingesamt so wenig Diskriminierung wie möglich geben solle. Es sei daher gerechtfertigt, über ein oder zwei Generationen hinweg in einigen Fällen zu diskriminieren, wenn so für die gesamte Zukunft (oder jedenfalls eine lange Episode der menschlichen Geschichte) Gerechtigkeit und damit Diskriminierungsfreiheit für beide Geschlechter erreicht werden könnte. Auch dürften nicht nur Diskriminierungen im Einstellungsprozess selbst betrachtet werden: Die in einer Gesellschaft mangelnder Geschlechtergerechtigkeit zahlreich allerorts auftretenden Diskriminierungen würden ebenfalls seltener, wenn durch mehr Frauen in Führungspositionen gesellschaftliches Umdenken erreicht würde und sich auch außerhalb der Unternehmen selbst auswirke.
Fazit: Beide Positionen sind plausibel und vertretbar. Der Verweis darauf, das nicht diskriminiert werden dürfe, hilft alleine nicht weiter, um die Frage zu entscheiden.
Dass z.B. bei einem Frauenanteil von unter 30% bei gleicher Qualifikation so lange Frauen bevorzugt werden die 30% erreicht sind, ist praktikabel. Eine Firma die 20% Frauen und 80% Männer hätte müsste auf Grund der Quote reagieren, eine Firma mit 80% Frauen und 20% Männer nicht. Wenn man z.B. sagen würde, dass in einer Firma Menschen eines Geschlechtes zu weniger als 30% repräsentiert sind so lange bei gleicher Qualifikation Menschen des unterrepräsentierten Geschlechtes eingestellt werden bis es zu 30% repräsentiert ist, wäre es piratiger. Zu mal bei einer Frauenquote immer mitschwingt, dass Frauen Hilfe benötigen, was das sexistische Klischee unterstützt. Eine Geschlechterquote, die das gesamte neutral formuliert(also mindestens 30% eines Geschlechtes, statt 30% Frauen) hätte keinen sexistischen Beigeschmack.
Die Frage ist auch wo Quoten zum Einsatz kommen sollen und welchen Sinn sie haben. Ich habe öfter von Veranstaltungen gehört wo Schülern Jobs nahe gebracht werden, die dem Klischee nach eher für das andere Geschlecht geeignet sind. Faktisch ist der Verteilung der Schulklassen 50%-50% was die Geschlechter betrifft, dennoch scheint dies nicht zu reichen. Bei dem Wahlfach Informatik hatten wir in der Mittelstufe tatsächlich auch eine 50%-50% Verteilung, im LK Informatik jedoch nur zwei Frauen und im Informatikstudium kam 1 Frau auf 30 Männer, da wären bei 30% schon stark über das Ziel hinaus. Das Problem ist, dass es sexistisch ist bei einem Menschen auf Grund des Geschlechtes etwas zu unterstellen, aber zu unterstellen dass alles sich exakt gleichmäßig verteilt, weil es keine Unterschiede gibt und bei Unterschieden direkt zu unterstellen die Gesellschaft sei überwiegend frauenfeindlich, obwohl sie zu mindestens 50% aus Frauen besteht ist auch ein bisschen mit der Brechstange argumentiert. Vielleicht wäre es auch besser bei den Bewerbungen direkt an zu setzen, so dass man einfach bei Bewerbungen bei gleicher Qualifikation, das weniger repräsentierte Geschlecht einstellt. Wenn sich auf einen Job 100 Frauen und ein Mann bewerben, ist es nicht die Schuld der Firma, dass sie die Geschlechterquote bezüglich der Männer nicht erreicht.
Dann wiederum sollte man auch die Motive hinterfragen. Wenn Frauen z.B. darum weniger Gehalt bekommen oder seltener eingestellt werden, weil ein Chef Angst hat sie könne wegen Schwangerschafts- oder Erziehungsurlaub ausfallen, könnte man als Staat hingehen und Firmen dafür ein Entschädigungsgeld zahlen, also eine staatlich finanzierte Ausfallversicherung. Auch diese könnte man neutral formulieren in dem Sinne, dass wenn ein Angestellter Erziehungsurlaub nimmt die Firma etwas dafür bekommt.
[...] Artikel ist eine Replik auf Lenas Artikel »3 (Piraten-)Missverständnisse zur Frauenquote«. Lena hat in diesem Artikel versucht drei Argumente gegen die Frauenquote zu widerlegen. Ich muss [...]
Der dritte Punkt ist besonders süß – zu befürchten Männer könnten in dieser (oder irgendeiner außer vielleicht der Frauenpartei die Satzung kenn ich nicht) Partei einer Diskriminierung zum Opfer fallen, ist angesichts der Geschlechterproportion gerade zu Tränen rührend. Hat sich schon ein Männer-anti-diskriminierungs-Zirkel gebildet? Welche, sorry, Pfeife fürchtet da uns Pöstchen? Ist den besorgten potenziellen Opfern jemals zu Ohren gekommen, dass die ‘Bevorzugung’ von Frauen der mühsame Versuch den ‘Sprachlosen’ (10 Männer 10 Frauen mensch stoppe geschlechterspezifisch die Redezeit) Gehör zu verschaffen?
zu 10:
In den 90ern war ich als Student bei mehreren Auswahlverfahren für Professuren mit involviert. Da bekannt war, dass das Ministerium Frauen (der Quote wegen) unabhängig von der Qualifikation vorziehen würde, wurden von den bewertenden Profs alle Bewerberinnen, die nicht von sich auf auf Platz 1 der Wunschliste stehen würden, gnadenlos aus der Vorschlagsliste (Top-5) eliminiert. Also auch potentielle Plätze 2 und 3, die sonst reelle Chancen auf eine Berufung gehabt hätten.
Meiner Erfahrung nach kommen so durch eine Quote nur höher-/überqualifizierte (Frauen) in die Auswahl – müssen sie durch den verbogenen Bewertungsmaßstab doch stets sämtliche anderen (männlichen) Bewerber übertreffen.
So oder so ist eine Quote unfair – auch und insbesondere für die durch eine Quote vermeintlich Geförderten.
dis fiyatı…
diş kaplama…
Ich hab deinen Blog leider erst jetzt entdeckt. Ich hab zur Frauenquote mal selbst einen Blogeintrag geschrieben, der eigentlich bei deiner Analyse ansetzt. Vielleicht findest du ihn ja interessant…
Mahatma Gandhi ist wohl jedem ein Begriff. Als geistiger Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung hat er das Prinzip des gewaltlosen Widerstandes wie kaum ein Zweiter geprägt. Seinem Verständnis nach wäre der gewalttätige Widerstand eine Sackgasse gewesen.
Einen analogen Weg der Sackgasse verfolgt der etablierte und institutionalisierte Feminismus. Dieser möchte Diskriminierung durch Diskriminierung bekämpfen, was es für mich interessant gemacht hat, diesen Weg im Lichte von Gandhis Prinzipien genauer zu beleuchten.
„Es gibt keinen Weg zum Frieden, denn Frieden ist der Weg.“
Lässt sich also Frieden durch Gewalt erreichen? Schaut man sich unsere Gesellschaft einmal genauer an, dann stellt man fest, dass sich der etablierte Feminismus immer mehr Feinde selbst erschafft. Schon die bekannten Gesichter des Feminismus glänzten dadurch, dass sie eine Identifikation mit ihnen sehr schwer machten. Der offen zur Schau gestellte Hass auf Männer, aber auch die fehlende Integration von dem Schönheitsideal entsprechenden Frauen, hat dazu geführt, dass Feministin für viele Frauen ein Schimpfwort ist. Viele Frauen streben eben ein friedvolles Verhältnis auf Augenhöhe mit den Männern an und erleben im Streben nach Schönheit eine Erfüllung und empfinden das nicht als Zeichen von Schwäche oder als Unterdrückung durch Männer, sondern durchaus auch als Selbstbewusstsein. (Damit möchte ich nicht sagen, dass Frauen dem Schönheitsideal nacheifern sollten oder so.) Auch Männern wurde vom etablierten Feminismus so gut wie kein Vorbild gegeben, schließlich waren/sind die meisten feministischen Institutionen exklusiv für Frauen.
Aber auch der Inhalt des etablierten Feminismus hat zu vielen Feminismusgegnern und sogar zu Frauenfeinden geführt. Erinnert euch nur mal an die Shitstorms während der Genderdebatten. Das Thema Gender löst mittlerweile bei so vielen Menschen eine richtige Wut aus, in der sie fast die Kontrolle verlieren. Zumindest kann ich mir so manche Äußerung von eigentlich intelligenten und aufgeklärten Menschen nicht anders erklären. Die Abneigung dieser als systematische Benachteiligung von Männern (und teilweise auch von Frauen) empfundenen Genderpolitik nimmt meiner Beobachtung nach immer mehr zu und führt bei einigen sogar zu frauenfeindlichen und homophoben Gedanken und Überzeugungen.
Wird dieser Weg der Diskriminierung weiter geführt, dann werden die Feinde dessen immer zahlreicher werden und irgendwann ihrer Wut nicht nur in Shitstorms Luft machen, wodurch dieser Weg der „positiven Diskriminierung“ ein Ende nehmen wird. Der Weg des etablierten Feminismus scheint mir eine klassische Sackgasse zu sein.
„Was man mit Gewalt gewinnt, kann man nur mit Gewalt behalten. „
Als Eva Herman von ihren (durchaus kruden) Thesen immer mehr Menschen für sich gewinnen konnte, da hat der etablierte Feminismus, vertreten durch die Mainstreammedien, durch kluge Argumentation und der Integration von eher dem klassischen Rollenbild nacheifernden Frauen seine breite gesellschaftliche Legitimationsbasis verteidigt… oh wait. Hat er nicht. Er hat mit Gewalt reagiert.
Eine eher unsichtbare Gewalt übt die Frauenquote aus, denn die Anwesenheit der Frauenquote erlaubt dem Prinzip nach nur Quotenbefürwortern den Aufstieg, weil:
Ist eine Organisation von oben herab durchquotiert, dann wird jede Stelle mit Quotenbefürwortern besetzt. Denn der Oberste ist automatisch Quotenbefürworter, denn sonst gäbe es ja keine Quote. Dieser besetzt dem Prinzip nach die unteren Untergliederungen dann nur mit (aktiven wie passiven) Quotenbefürwortern.
Werden die Posten nicht von oben herab besetzt, sondern gewählt, so ergibt sich das selbe Prinzip: Nur wenn die Mehrheit der Wähler eine Quote ablehnen, kann ein Quotengegner gewählt werden. Aber dann gäbe es auch keine Quote.
Das System Frauenquote ist also selbsterhaltend und auf Unterdrückung von Quotengegnern aufgebaut. Man tut gut daran, seine Ablehnung zur Quote nicht auszusprechen und zum passiven Befürworter zu werden. Dieses Prinzip der Gewalt konnte ich im Gespräch mit einigen Parteimitgliedern der Grünen und Linken sehen: Nur hinter vorgehaltener Hand wird die Ablehnung der „positiven Diskriminierung“ zur Sprache gebracht.
Als die CSU vor nicht all zu langer Zeit die Frauenquote eingeführt hat, da gab es massiven Widerstand auf dem Parteitag. Und zwar vor allem von jungen Frauen. Die fanden sich nämlich stark genug, sich auch ohne Quote durchzusetzen und wollten nicht paternalisiert werden. Aber wenigstens ist diesen Frauen ein Schicksal erspart geblieben, das den meisten Quotengegnern droht: Sie wurden nicht als frauenfeindlich bezeichnet. Diese Geste der Gewalt bleibt erstmal den Piraten vorbehalten.
„Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“
Die Piraten gehen den Weg der Nichtdiskriminierung um Diskriminierung zu beseitigen. Einfach wird dieser Weg sicherlich nicht, aber die Integrationsfähigkeit und damit das Erfolgsversprechen dieses Weges dürfte dem der Diskriminierer deutlich überlegen sein.
„Wenn du im Recht bist, kannst du dir leisten, die Ruhe zu bewahren; und wenn du im Unrecht bist, kannst du dir nicht leisten, sie zu verlieren.“
Lasst uns doch offensiver mit der Thematik umgehen und dafür sorgen, dass die Medien und die Altparteien die Ruhe verlieren. Oder haben sie das schon längst?
Wäre Gandhi ein Pirat gewesen?
[...] Genderdebatte und Frauenquoten in der Piratenpartei Einige Kegelklublerinnen wurden im Rahmen einer journalistischen Anfrage gebeten, eine Stellungnahme zur Aktuellen Quotendebatte und Maßnahmen, die mehr weibliches Engagement bei der Piratenpartei fördern könnten, zu verfassen. Dies ist unsere Antwort: Zur Zeit wird viel über die Genderdebatte in der Piratenpartei diskutiert und geschrieben. Wir begrüßen eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema und möchten uns offen für Kritikpunkte, vor allem aber auch für Lösungsansätze zeigen. Mit der Frage, wie wir mehr Frauen zu einer Mitarbeit in unserer Partei motivieren können, setzen sich zur Zeit Frauen und Männer in der Piratenpartei aktiv und konstruktiv auseinander. Wir sind dabei, die Ursachen für die geringe Beteiligung von Frauen in der Piratenpartei sowie an exponierten Stellen innerhalb der Partei zu evaluieren. Gleichzeitig arbeiten wir bereits an Ideen, wie wir die Strukturen verändern können, so dass es Frauen leichter fällt, sich einzubringen. Dieser Prozess braucht allerdings Zeit. Das Instrument einer Quote sehen wir kritisch, weil es bestehende Geschlechterdifferenzen zementiert und beispielsweise zur Zeit auch nicht die reale Anzahl von weiblichen Mitgliedern repräsentieren würde. Zudem gibt es Menschen, die sich keinem der beiden Geschlechter zuordnen möchten. In unserem Parteiprogramm setzen wir uns ausdrücklich für eine freie Selbstbestimmung von geschlechtlicher und sexueller Identität bzw. Orientierung ein. Daher ziehen wir es vor, nach progressiveren Lösungsansätzen zu suchen. In anderen Organisationen können Quoten trotzdem durchaus sinnvoll sein und wir wollen niemandem vorschreiben, auf welche Weise er sich für eine Gleichbehandlung aller Menschen einsetzen soll. „Postgender“ - also die Haltung, dass biologisches und soziales Geschlecht keine Rolle mehr spielen – sehen wir als Ideal an. Täten wir so, als sei dieses Ideal bereits erreicht, könnten wir uns ja keine Gedanken mehr darüber machen, wie wir Frauen besser einbinden können. Wir sehen, dass in unserer Gesellschaft immer noch viele Sexismen herrschen, die es zu bekämpfen gilt. Für die höhere Beteiligung von Frauen in der Piratenpartei aber auch in vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen wollen wir uns einsetzen, darüber aber auch nicht vergessen, dass es noch etliche andere Gruppen gibt, die im Hinblick auf ihre Rechte und ihre Möglichkeiten zur gesellschaftlichen und politischen Teilhabe noch nicht gleichgestellt sind. Wir möchten gerne alle herzlich dazu einladen, an dem Gender-Diskurs teilzunehmen und Gedanken und Lösungsideen mit einzubringen. Für tiefergehende Einblicke in die bisherige Debatte empfehlen wir u.a. die Blogbeiträge von @arte_povera http://www.wider-die-windmuehlen.de/2011/06/3-piraten-missverstandnisse-zur-frauenquote/ und http://www.wider-die-windmuehlen.de/2011/09/genderdebatte-zum-x-ten-oder-3-arten-von-chancengleichheit-und-auch-keine-losung/ von @mueslikind http://mueslikind.de/?p=151und und von @acid http://kegelklub.wordpress.com/2011/09/25/zur-gleichstellung-in-nerdkreisen/ – Verfasst von @mueslikind, @_nojoum und @lotterleben. Share this:TwitterFacebookGefällt mir:LikeSei der Erste, dem dieser post gefällt. [...]
[...] http://www.wider-die-windmuehlen.de/2011/06/3-piraten-missverstandnisse-zur-frauenquote/ [...]
Arte Votera: Findest Du das eigentlich deprimierend, daß Du immer noch mit diesen alten Fakten kommen mußt, als ob die letzten 40 Jahre nicht existiert hätten? Ich schon.
Votan: Die Quote ist unfair gegenüber den Frauen? Bitte wie? Diejenigen, die die Quotenregelung zu umgehen versuchen, sind unfair gegenüber den Frauen. Da hätte ich auch noch ein schönes Beispiel aus der Intelligenzija der Universitäten: Um seinen Lieblingspleppo durchzudrücken, hat ein Prof eine deutlich überlegene Kandidatin aus der Liste gekickt mit der Begründung, die hätte ja so überragend in den letzten Jahren publiziert, die sei jetzt ausgelaugt und würde nichts mehr gebacken kriegen. Kann man sich nicht ausdenken so was. Spricht aber imho nicht gegen die Quote, sondern gegen die männliche Einstellung gegenüber der Quote. Und gegen die installierten Kontrollmechanismen.
Hi! Ich hab mich mal nach längerer Zeit wieder mit diesem Artikel beschäftigt und folgendes ist mir zu den 3 Missverständnissen eingefallen:
Zu 1) Erstmal eine Frage: der Link zu der norwegischen Studie, die herausgefunden haben will, dass die Quote zur Einstellung qualifizierterer Frauen geführt hat, führt zu einer norwegischen Seite. Das PDF dort ist auch auf norwegisch. Gibt es davon eine englische Version?
“[Die Untersuchung] “zeigte, dass die erst durch die Quote (!) zwangsweise (!) aufgenommenen Frauen durchschnittlich höhere (!) Qualifikationen besaßen als ihre männlichen Kollegen”
Ich verstehe das nicht ganz. Wurde die Qualifikation etwa einige Zeit _nach_ der Einstellung gemessen? Oder waren die Frauen schon bei der Einstellung durchschnittlich höher qualifiziert?
Ich nehme mal weiter an, die Erkenntnis stimmt: Die Quote habe ihr Ziel erreicht und es wurden durchschnittlich höher qualifizierte Frauen eingestellt. Ich frage mich, ob dieses “Erreichtes Ziel heiligt die Mittel” wirklich in Ordnung geht. Denn ich kann mir genug Beispiele vorstellen, wo es das – für Piraten zumindest – nicht tun würde. Nehmen wir z.B. Netzsperren: Egal, ob sie vielleicht doch einen positiven Effekt haben könnten – sie sind grundsätzlich abzulehnen, weil sie Zensur darstellen. Warum sollte nicht analog zur Quote gelten: Sie ist grundsätzlich abzulehnen, weil sie eine Diskriminierung nach Geschlecht darstellt? (Ja, passt eher zu Punkt 3, moralisches Argument.)
Zu 2) Unser Parteiprogramm sagt tatsächlich “Gesellschaftsstrukturen, die sich aus Geschlechterrollenbildern ergeben, werden dem Individuum nicht gerecht und müssen überwunden werden.”
Es definiert ein Ziel und fordert auch zum Handeln auf (“müssen überwunden werden”). Aber _wie_ gehandelt, also welche Mittel genutzt werden dürfen, bleibt offen. Wenn man nun sagt, man könnte aus dem Programm “Argumente pro Quote aufbauen”, könnte man auch sagen, man könne “Argumente pro körperlicher Züchtigung von Sexisten” aufbauen (ja, ist polemisch, aber ich fand’s gerade witzig ;) ).
Zu 3) Über das juristische Argument kann ich als Laie wenig sagen, also beschränke ich mich auf das moralische.
Zusammengefasst verstehe ich: “Auch wenn die die Quote kurz- und mittelfristig diskriminiert – langfristig führt sie zur Verkleinerung der Diskriminierung.”
Vorneweg, ich stehe dieser Figur außerordentlich skeptisch gegenüber. Man kennt sie aus vielen revolutionären Bewegungen in der Geschichte: Erst kommt das Tal der Tränen, durch das wir alle durch müssen, wo wir auch ein paar unserer Prinzipien ignorieren oder gar ins Gegenteil verkehren müssen, aber danach wartet das Paradies.
Aber mal unabhängig von meinem diffusen Gefühl dazu zwei Fragen:
Gab es das schon mal bei der Frauenquote, dass sie eingeführt, eine zeitlang angewandt und dann wieder abgeschafft wurde – und die Diskriminierung war weg oder kleiner?
Zum anderen: Wenn man schon tatsächlich ein eigenes Prinzip kurzfristig ins Gegenteil verkehren will – mit einer Quote also nach Geschlecht unterscheiden will, obwohl man Unterscheidung eigentlich ablehnt – dann sollte man _vor der Einführung_ ein objektiv nachprüfbares Kriterium für die Selbstauflösung angeben. Also einen Punkt benennen, an dem die Quote nicht mehr gebraucht wird und automatisch abgeschafft wird. Wie könnte so ein Kriterium bei der Frauenquote aussehen? Gibt es da schon was in der Literatur?
Und noch was allgemeines:
Die Frauenquote wird ja bislang vor allem in Politik und im Arbeitsleben diskutiert. Sie soll dort bestehenden Bias entgegenwirken und Diskriminierungen abbauen.
Nun gibt es aber diesen Bias nicht nur in Politik und im Arbeitsleben. So wie “‘Weiße’ Männer mittleren Alters aus Akademikerhaushalten” bevorzugt ihresgleichen _einstellen_, so verbringen sie sicherlich auch mit ihresgleichen einen Großteil ihrer Freizeit. So gehen Akademiker-Männer bevorzugt mit anderen Akademiker-Männern aus, oder Männer gehen bevorzugt mit Männern (und nicht Frauen) ins Fussballstadion. Und auch das hat sicher einen großen Effekt auf ihre Sozialisation und Wahrnehmung der Gesellschaft.
Wäre es da nicht angebracht, dass die Politik hier ein Handlungsfeld sieht? Wie wäre es z.B. mit einer Frauenquote bei Besuchern von Fussballspielen? Oder einer Quote bei Gruppentickets von Theatern oder Konzerten?
Das im letzten Absatz beschriebene “gesellschaftliche Umdenken” könnte vielleicht so viel schneller eintreten als ein paar mehr repräsentative Frauen in weit entfernten Führungspositionen.
Die Beispiele mögen alle polemisch klingen, aber so sind sie nicht gemeint. Ich würde tatsächlich gerne wissen, warum es einerseits legitim sein soll, wenn die Politik mitentscheidet, mit wem ich 8 Stunden täglich zusammenarbeite, aber nicht, mit wem ich nachher 2 Stunden ins Theater gehe?
Vielleicht können wir uns so nochmal dem Punkt nähern, wo das Ziel der Überwindung von diskriminierenden Gesellschaftsstrukturen seine Grenzen hat und ob Quoten tatsächlich ein geeignetes _Mittel_ sind.
Es ist Wahnsinn: Was hätten diese norwegischen Frauen, die so überragend qualifiziert waren, alles erreichen können, wenn sie ein eigenes Unternehmen ohne diese ganzen männlichen Strukturen gegründet hätten!
Ist es wirklich zu weit hergeholt zu glauben, dass sie möglicherweise sogar die Folgen der jetzigen Wirtschaftskrise für ganz Europa hätten mindern können?!
Ich denke, wer so überragend qualifiziert ist, sollte selbst direkt unternehmerisch tätig werden. Die immer vorhandenen Zwänge in bestehenden Organisationen bremsen solche Überfliegerinnen doch nur aus.
Die Quote ist nur etwas für Leute, die gerne so tun, als ob sie Verantwortung übernehmen möchten, die sich aber nicht so recht an höhere Aufgaben herantrauen. Sie “spielen” dann mal den Chef, mit Netz und doppeltem Boden, bitte. Man/Frau weiss ja nie.
Wer wirklich eine Führungsaufgabe haben will, wird sie auch bekommen. Gegebenenfalls eben im eigenen Unternehmen.
Oder auch in der eigenen Partei. “Die Piratinnen”, Mädels, lasst uns selber gründen! Wir sind doch nicht auf Vorarbeiten der Männer angewiesen! Warum sollen wir das nicht alleine schaffen?
Ich denke durchaus, dass Quoten Frauen schaden koennen. Ein Teil davon wurde schon genannt [Frauen muessten dann ueberkompensieren, da ihre Qualifikation - sicherlich auch bei sog. weichen Quoten - dadurch in Frage gestellt wuerde]; zum anderen koennten sie dadurch weniger ernst genommen werden ["ist ja nur die Quotenfrau" oder "muessen gefoerdert werden, weil koennen nicht allein" etc.] und sich auch einfach mal selbst ungerecht behandelt fuehlen. Ich zumindest freue mich nie, wenn ich irgendeinen Vor-/Nachteil aufgrund meines Geschlechts erhalte. Ueberhaupt die Tatsache, dass dadurch wieder so viel Fokus auf’s biologische Geschlecht gesetzt wird, stoert mich daran.
Warum ich das ganze persoenlich als Diskriminierung auffasse: Angenommen, mehrere Personen bewerben sich um einen Job in einer Firma mit unausgeglichenem Geschlechterverhaeltnis. Bei einer Quote wuerde also eindeutig eine Bewerbergruppe bevorzugt werden muessen [angenommen, die Qualifikation ist gleich]. Was koennen allerdings die Bewerber, deren Geschlecht mit dem in der Firma vorherrschenden entspricht, dafuer, dass dem so ist? Und mit welchem Recht wuerden ihre Bewerbungen dann automatisch benachteiligt?
Die Gruende fuer den Unterschied kennen wir in diesem Konstrukt freilich nicht. Sie koennten [!] diskriminierende Grundlagen haben – im Unternehmen oder Ausserhalb. Dem muss aber nicht so sein. Wenn dem so ist, muss dies natuerlich untersucht und so weit wie moeglich beseitigt werden. Aber ist es gerecht, das auf Kosten Unbeteiligter [anderer Bewerber] zu tun?
Das ist eine offene Frage, die jeder fuer sich beantworten muss.
[...] oder weiterzuentwickeln. Eine Übersicht der 3 häufigsten Vorbehalte gegen die Quote gibt es hier (http://www.wider-die-windmuehlen.de/2011/06/3-piraten-missverstandnisse-zur-frauenquote/, siehe auch unten). Dieser Beitrag macht deutlich, dass ein Unterzeichnen der Berliner Erklärung [...]
@Jorges:
* zum Abbruchkriterium: schau mal das erste Posting von Lenz an
* warum nicht Quoten im Theater/Fußballstadion: die Arbeitswelt entscheidet im Gegensatz zum Freizeitgaudi über das Einkommen und somit *generell* über die Möglichkeiten der Lebensgestaltung
* der Zweck heiligt die Mittel: ich denke bei der Frage muss man unbedingt abwägen, ich denke sogar, dass es fast common sense ist, dass es z.B. richtig ist ein kleines Leid in Kauf zu nehmen um ein größeres zu verhindern, also um den Godwin auszupacken :), Menschen in den Tot zu schicken, um den Holocaust zu beenden (du wolltest ja gern ein reales Beispiel, wo es funktioniert hat)
@Mina:
* Selbstständig machen: viele Selbstständige darben vor sich hin, der Einzelhandel geht nach und nach durch die immer größer werdenden (Franchise)Ketten kaputt bzw. begibt sich in Abhängigkeit. Ohne großes Starkapital kann man auch schwer in einen bestehenden Markt konkurrenzfähig hinein und neue Marktsegmente sind begrenzt. Die Chance zum Selbstständigmachen bestand auch schon die ganze Zeit, hat nicht wirklich etwas an der Situation geändert, viele Frauen haben kaum Geld, sind finanziell abhängig von Männern, einige wenige nicht. BGE wäre da auch nur ein Trostpflaster. Heutzutage braucht man in vielen Bereichen eine richtige Stange Geld um sich selbstständig zu machen, dafür braucht man aber erstmal einen gut bezahlten Job, bestenfalls auch Connections zu anderen Firmeninhabern, die man in einer Führungsposition in einem Unternehmen gut herstellen könnte, man als Frau nur leider kaum hinein kommt, klassiches Henne Ei Problem.
allgemein:
* Man sollte erstmal die Frage klären, ob es ein Problem gibt, also ob wirklich nur wenige Frauen ein selbstbestimmtes Leben führen können. Meiner Ansicht nach ist es so, wenn kaum Frauen in Führungspositionen aufsteigen bzw. einen gut bezahlten Job erhalten können.
* Wenn man zu dem Endschluss kommt, dass es tatsächlich ein Problem ist, sollte man darüber nachdenken, ob es neben den Quoten noch vielversprechendere Lösungen gibt. Mir sind auf jeden Fall keine bekannt, aber bin da sehr aufgeschlossen, außerdem finde ich teilweise auch ein wenig Pragmatik sinnvoll statt alles rein ideologisch Tot zu schlagen.
Viele Grüße
René
Ich hab mich jetzt nur mal mir Argument 1 befasst weil ich die anderen beiden eh nicht benutze.
Selbstverständlich ist das Geschlecht heute ein Einstellungskriterium. Das ist ja das eigentlich Problem das abzuschaffen wir uns alle auf die Fahnen geschrieben haben.
Ob nun Qualifikation, Vertrauenswürdigkeit oder sonst ein Kriterium das eigentlich Entscheidende sein sollte ist mir da allerdings reichlich egal. Das ein Job/Posten immer nach Tauglichkeit vergeben werden sollte ist einfach evident. Dem ist heute nicht so, aber eine Frauenquote strebt nicht an dies zu ändern sondern macht einfach nur einen ‘gegen-bias’ zur Vorschrift.
Die These vom ‘Gegengewicht zum Bias’ halte ich für blauäugig. Das Problem ist eben nicht das es in Vorständen wenige Frauen gibt… das ist ein Symptom… das Problem ist der Bias dahinter. Das vor verurteilende Denken an sich.
Eine entsprechende Quote mag das Symptom lindern, auf das Problem an sich hat es, wenn überhaupt, nur sehr indirekt eine positive Wirkung.
Die Quote ist darum hinderlich weil sie eine sehr einfache Lösung suggeriert und dazu verleitet die Anstrengungen die wirklich notwendig sind nicht zu unternehmen.
Wenn ein Unternehmen offensichtlich Diskriminiert, auch aufgrund des Geschlechtes, greift schon heute das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz.
Der kleine Bias allerdings wird sich aus den Köpfen nicht mit Gesetzen verbannen lassen, sondern nur mit Aufklärung. Klar ist das schwerer, dauert länger und kostet mehr Geld als einfach eine Quote vorzuschreiben, aber ich fürchte mit der Quote könnten wir uns nur viel mehr in Gesellschaft verrennen die Unterschiede macht.
[...] schon oft verlinkte Beitrag von @arte_povera zu Missverständnissen über die Frauenquote, der erklärt, warum Quoten eben keine Ungleichheit schaffen, sondern versuchen, Ungleichheiten [...]
>>>> Frauenquoten wirken wie ein Gegengewicht zum Bias. Eine Untersuchung in Norwegen, das Anfang 2008 eine Frauenquote für Aufsichtsräte von großzügigen 40 Prozent (in Deutschland werden meist 30 Prozent für Vorstände vorgeschlagen) einführte, zeigte, dass die erst durch die Quote (!) zwangsweise (!) aufgenommenen Frauen durchschnittlich höhere (!) Qualifikationen besaßen als ihre männlichen Kollegen (die Qualifikation wurde anhand der Bildung gemessen). Der m.W. einzigen empirischen Studie zum Thema zufolge ist Prämisse 3 also nicht nur falsch – womit das gesamte Argument fällt –, es ist sogar das Gegenteil der Fall: Jedenfalls ist in diesem Kontext hat die Frauenquote die Einstellung nach Qualifikation unterstützt. Ihretwegen wurden die qualifizierten Frauen, die trotz ihrer Qualifikation wegen ihres Geschlechts nicht eingestellt wurden, endlich eingestellt. Wirkt paradox? Willkommen in einer paradox… <<<
Aber gerade in Norwegen ist doch infolge der Quote der Fall eingetreten, dass jetzt 5 oder 6 Frauen in zig verschiedenen Aufsichtsräten sitzen, um die Quote zu erfüllen. Gerade da hat sich doch m.W. zwar die Zahl weiblich besetzter Aufsichtsratssitze drastisch erhöht aber eben nicht die Zahl von Frauen, die in Aufsichtsräten sitzen.
Zu 8. Ein Problem was ich bei der Quote habe ist immer das “Es passiert ja nur bei gleichen Qualifikationen”. Kann mir irgendeiner zwei Personen zeigen die Absolut gleiche Qualifikationen haben? Wenn ich (jetzt als Firma gesehen) nur Männer einstellen will, dann finde ich doch trotz Quote immer irgendeinen Grund warum die Frau jetzt nicht die gleichen Qualifikationen hat. Ich wünschte das Problem wäre mit einer Quote geregelt. Doch für mich scheint eine Quote nur ein Schild zu sein mit dem sich Firmen und Parteien schützen wollen ohne wirklich etwas verbessern zu müssen. Eine Quote macht zu wenig und ist nicht effektiv genug. Deswegen lehne ich die momentan ab. Ich möchte was besseres.
Ich kannte den dritten Punkt bisher nur umgekehrt als: „Die Frauenquote diskriminiert Frauen“. Denn wenn eine eingestellte Frau sich nicht sicher sein kann, ob sie wegen ihrer höheren Qualifikation oder aber “nur” wegen gleicher (bzw. trotz geringerer, was ja auch nicht immer sooo genau messbar ist,) Qualifikation den Job bekommen hat, nagt das am Selbstbewusstsein. Wenn dann (meist vorwiegend männliche) Kollegen das zum Anlass nehmen, Kritik zu üben, schadet das der Qualität, mit der die “Quotenfrau” ihren Job macht/machen kann.
Eine Frau, die ohne Quote einen Job bekommt, kann sich sicher selbstbewusster in selbigen stürzen.
Ich finde deine Erklärung an sich gut, schön anschaulich und mMn verständlich, genau die richtige Menge an “ich erklär das jetzt mal”.
Einen Kritikpunkt hab ich aber doch: Ich finde, dass bei Punkt 3 noch angemerkt werden sollte, dass Männer dank der “relativen” Quote nur diskriminiert werden würden, wenn sie in gleichem Maße qualifiziert wären wie die Frau (und davon wird es meiner Vermutung nach bei einer Quote von nur 30% nicht viele Fälle geben), denn nur dann würde die Quote die Frau wirklich bevorzugen – ansonsten verhilft die Quote der diskriminierten Person ja endlich zu ihrem Recht, ist also ausgleichend, nicht bevorzugend.
[...] Lena Rohrbach (@arte_povera) im Blog über Mißverständnisse zu Quoten: http://www.wider-die-windmuehlen.de/2011/06/3-piraten-missverstandnisse-zur-frauenquote/ Zwei Posts Pro / Contra Quote zusammengefasst beim Kegelklub: [...]
[...] die Frauenquote in der Wirtschaft diskutiert und ein in dem Kontext häufig verlinkter Artikel ist 3 (Piraten-)Missverständnisse zur Frauenquote. Er geht auf 3 Argumente ein, die in Piraten-Quoten-Diskussionen häufig vorkommen und zu diesem [...]
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